Mit dem Golfclub auf internationalen Turnieren

So manche Vorstellung vom Golfsport ist weit hergeholt oder gar vorurteilsbehaftet. Alte Männer mit zuviel Geld rollen im Caddy über den Platz, um kleine Bälle in die Walachei zu schlagen, die andere dann wieder für sie holen müssen. Danach werden im Clubhaus fade Altherrenwitze bei einem Glas Scotch gerissen. So oder so ähnlich stellt sich oft eine Meinung dar, wenn der Mensch dahinter noch nicht mit dem Sport in Berührung gekommen ist. Dabei sind Golfer echte Durchschnittstypen, die genauso gut in jede Kegelrunde passen könnten, wenn sie ihr Weg, aus Vorliebe oder Zufall sei dahingestellt, nicht gerade hierher geführt hat. Der Fensterschmuck im Clubhaus ist nicht aus Seide und es finden nicht ständig Meetings statt, die sich um Geld drehen. Auch sie lieben den Sport als Anlass für das Beisammensein. Gemeinsame Ausflüge werden als gesellige Ereignisse aufgefasst, sei es bei einem kleinen Turnier als Teilnehmer, sei es als Zuschauer auf großen Turnieren im Ausland.

Letztere sind wie geschaffen dazu, um sich während der Anfahrt feuchtfröhlich auf das kommende Ereignis einzustimmen. Das ist vor allem auch deshalb so möglich, weil die Anfahrt bei langen Strecken meistens am Abend zuvor erfolgt, d. h. noch eine Nacht Zeit ist, um auszuruhen, bevor das Turnier beginnt. Um die weiten Strecken zu Fuß durchzustehen, wird am nächsten Morgen erst mal ausgiebig gefrühstückt. Nur die ganz Versessenen befinden sich bereits bei der offiziellen Eröffnung. Diejenigen, welche ausschließlich die Besten dieses Sportes sehen möchten, haben noch etwas Zeit, da die Starts am ersten Tag nach der Rangliste rückwärts gestartet werden. Wer also die vermeintlich besten Golfer sehen möchte, für den beginnt der Tag erst spät. Am Zweiten oder Dritten entscheidet ebenfalls die Rangliste, allerdings die des derzeitigen Turnierstandes.

Der Tag wird in der Regel mit dem allabendlichen Essen beschlossen. Das kann auch länger dauern. Gesprächsstoff ist jedenfalls reichlich vorhanden: Aussichten und Form der Teilnehmer, die Unterschiede in den Techniken, ob in jener Situation nicht ein anderes Eisen hätte gewählt werden sollen oder einfach, wie das Wetter morgen werden soll. Je weiter sich das Turnier einer Entscheidung nähert, desto spannender wird der Wettkampf. Aus der Perspektive eines Golfers heraus gesehen, kann es nichts Schöneres geben, als der Kampf zwischen Disziplin und Nerven. Dies sind die Situationen in denen die wichtigen Entscheidungen fallen. Man wächst immer erst ein Stück weit in ein Turnier hinein, bevor man sich völlig in ihm wieder findet.

Nach dem Ende des Turniers, bricht der größere Teil des Clubtrosses wieder in Richtung Heimat auf. Ein kleiner Teil jedoch lässt sich

für den Club Hotels oder Pensionen buchen, die in der Nähe der nächsten Touretappe liegen. Meistens sind dies die vollkommen Sportverrückten, welche sich extra Urlaub genommen haben, um wirklich dabei sein zu können. Auch ein beträchtlicher Anteil an Rentnern befindet sich unter den Dauerreisenden. Andererseits kann man diese Gruppe gut verstehen, denn die Spannung wird bestimmt nicht abnehmen. Mit so viel Zeit ausgestattet, nehmen sie sich zwischendurch auch mal ein paar Tage Pause. Das diese oft darin besteht, selber auf dem Platz zu spielen, muss nicht weiter kommentiert werden, außer, dass Golf süchtig machen kann und wenig mit der allgemeinen Vorstellung davon zu tun hat.

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